Spiezer Tagung '26
Am Vorabend der Berner Reformation
2028 jährt sich die Einführung der Reformation in Bern zum 500. Mal. Die Spiezer Tagung wirft einen Blick auf die Zeit kurz davor und fragt, wie sich die Kirche im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert präsentierte. Was hatten die Reformatoren vor Augen, wenn sie von Missständen sprachen?
Das Spätmittelalter war geprägt von einer grossen Sorge um das Seelenheil. Darum legte man sich einen «Vorrat», ein «Seelgerät» an, das am Jüngsten Tag vor der Verdammnis helfen sollte. Das führte zu einer intensiven Frömmigkeitskultur mit Stiftungen von Einzelnen und Gruppen. Materieller Ausdruck dieser Praktiken war ein gewaltiger Kirchenbau- und Ausstattungsboom. Es entstanden neue Kirchen und Kapellen sowie eine grosse Menge von Altären, Textilien, Wandmalereien, Glasfenstern und anderen Kunstwerken.
Gleichzeitig verstärkte sich die Kritik an der Institution, am Pfründenwesen und an missbräuchlichen Ämtervergaben, aber auch an der mangelnden Qualität der theologischen «Dienstleistungen» durch schlecht ausgebildete Geistliche. Ausserdem waren die Räte von Bern, die ihre Aufgabe als Landesherren immer umfassender verstanden, zusehends ungehalten, bei kirchlichen Belangen keine Mitsprache zu haben.
Die Spiezer Tagung gewährt in sieben Beiträgen Einblicke in soziale, wirtschaftliche und politische Entwicklungen im Vorfeld der Berner Reformation. Die Besichtigung der Schlosskirche Spiez und eine Exkursion zu den Kirchen Reutigen sowie Erlenbach im Simmental runden die Tagung ab. Die Tagungsbeiträge werden als Heft der Berner Zeitschrift für Geschichte im Herbst 2027 publiziert.